Wien, 11. Mai
Lieber Schmiedbauer,
Eine geschlagene halbe Stunde laut Piaristenkirche sind mir jetzt Anfangsfloskeln durch den Kopf geschwirrt, eine nichtssagender als die andere, doch bevor ich jetzt besagte Piaristenkirche ums Kreuz trage und an völlig falscher Stelle das Rad, auf das sich meine Gedankengänge allemal flechten ließen, neu zu erfinden versuche, bescheide ich mich einfach damit, Ihnen Kunde von meiner Rückkehr zu erstatten, was Sie an der Briefmarke unschwer erkannt haben werden, wobei ich nicht mal weiß, ob Sie meine zwei Briefe aus Spanien schon erhalten haben, und wenn das jetzt so weitergeht, kann ich diesen Brief mit »Serena Zeitblom« unterschreiben. Bitte also nochmals ansetzen zu dürfen. Achtung fertig los. Ich! Bin! Wie! Der! Da! [ENTER]
Nix Handschriftliches diesmal, aber fast. Wie gefällt Ihnen die Schriftart, die ich mir auf Internet runtergeladen hab? Hab gewaltige Fortschritte gemacht in der Handhabung von Computern seit... egal. Später. Heißt Twelve Point Violation, und ich finde, sie paßt irgendwie zu mir. Is Ihnen egal? Für mich sind das so die kleinen Freuden des Lebens. [ENTER]
Dabei hab ich kurz gezögert, ob ich diesen Brief auf Papier mit der goldenen Füllfeder schreiben soll, die ich immer schon mit ins Grab nehmen wollte, aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher. Cast thy nighted colour off. Jetzt aber die dreifachen Synapsensaltos doch lieber mit Netz, und deswegen Computer. Da kann ich jederzeit auf [ENTF] drücken, falls es mir zu arg wird. [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] [ENTF] (Scherz!) [ENTER]
Und siehe da, schon die bloße Möglichkeit einer kurzfristigen Geschichtsfälschung scheint mir das gesamte Spektrum spontaner Bekenntnisse zu eröffnen. Nichts ist mir zu klein und ich schreib es trotzdem. Es sind ja gerade die kleinen Charakterfehler, die krebsfördernd wirken. Spektakuläre Vergehen wie Mord, Totschlag, Inzest undsoweiter gehen dagegen direkt locker von Hand und Zunge. Postuliere ich jetzt mal so ins Blaue hinein. Wußten Sie zum Bleistift, daß ich meine gesamte digitale Korrespondenz zwecks eventueller Wiederaufbereitung auf der Festplatte abgespeichert lasse? Zwar bewundere ich Freuds grandiose Geste, zwei Kisten voller Briefe »zum Ärger der zukünftigen Biographen« in den Kamin zu schmeißen. Meiner Wenigkeit verwehrt allerdings ein leiser und dennoch klar wahrnehmbarer Hintergedanke einen derart lässigen Umgang mit den schriftlichen Spuren meines Daseins. Und eh´ man sich´s versieht, ist´s eben ein Roman... Ein bißchen dran rumfeilen, ein paar Personen drumherum dazuerfinden, und vielleicht sollte ich vorher zur Übung einen Aphorismenband schreiben. Jenseits von Fut und Möse, haha. Oder besser Theorie? Der Wutz und seine Beziehung zum Unbepißten, hihi. [ENTER]!!!
[Räuspern.]
But seriously. Seien Sie unbesorgt, einstweilen lass ich die fade Hochleistungsprosa fade Hochleistungsprosa sein und begnüge mich damit, Ihrem Credo Erzählen-Sie-mir-doch-einfach-was-Ihnen-gerade-durch-den-Kopf-geht-Fräulein treu zu bleiben und einfach nur hinzurotzen ce qui me chante. Wache! Wegtreten von den Toren des Verstandes! Klarmachen zum [ENTER]n!
[...].
[ENTF]!
[...].
Ankunft heute morgen Wien Westbahnhof. Von niemandem erwartet außer meinen diversen Ängsten, die mir dafür so ziemlich überall auflauerten. In den überdimensionierten Prellböcken am Gleisende. Chris Lohners Stimme in den Durchsagelautsprechern. Die gehißte Eskimoflagge am Bahnhofsbuffet. Vorbei an den entblößten Lefzen der Fahrscheinentwerter. An der gefletschten Pornographie der Krone-Verkäufer entlang raus in den Gürtelsmog, der wie ein luftdicht schließender Tupperware-Deckel über dem Europaplatz hängt. Kennen Sie den Unterschied zwischen Wien und einer Jungfrau? - Nein? -Wien bleibt Wien. Haha. Willkommen zuhause. [ENTER]
Das heißt, sofern ich diesen goldenen Käfig hier überhaupt mein Zuhause nennen kann. Selbst wenn ich´s Hans-Jörg hoch anrechne, daß er schön langsam gelernt hat, meinen Intimbereich zu respektieren. Dies übrigens auch... au sens malpropre du terme. Er hat schon mindestens ein halbes Jahr lang nicht mehr versucht, bei mir anzuklopfen. Poch poch poch. Do not [ENTER]
Und trotzdem... und trotzdem. Komme ich mir auf vierhundert Quadratmetern beengt vor. Und lächerlich obendrein, wenn ich an unsere Hausmeisterin und Putzfrau Yolanta denke, die ihre Fünfunddreißig-Quadratmeter-Erdgeschoßwohnung mit ihrem Mann sowie der Kinder fünfköpfiger Schar teilt. Da komme ich mir dann wie ein verwöhntes kleines Luxusgeschöpf vor, aber c´est plus fort que moi. Ich brauche nur daran denken, daß Hans-Jörg pfeifestopfend in seinem Zimmer sitzt, und schon geht es mir wie Roderick Usher, ich höre das Gras hinter den Wänden wachsen. [Seltsam: ursprünglich habe ich geschrieben: »... höre das Grab hinter den Wänden wachsen«, keine Ahnung, was dieser Lapsus bedeuten soll, aber vielleicht können Sie was damit anfangen.] Jetzt fällt mir auch auf, was an meinen beiden letzten Briefen so besonders ist. Nämlich das, was nicht drinsteht. Kein Sterbenswörtchen über Hans-Jörg. Ich male mir gerade aus, wie das wäre, wenn er diese zwei Briefe heimlich lesen und dabei draufkommen würde, daß er darin nicht einmal ignoriert wird. Ich glaube, das wäre für ihn noch viel schlimmer als... [ENTF] [ENTER]
[Lange Denkpause.]
Da hab ich jetzt einen heiklen Punkt berührt. So sehr ich mich abmühe, weiterhin munter um den heißen Brei herumzuphilosophieren, es nützt nichts. Der Golfstrom meiner Gedanken treibt mich doch immer wieder zu diesem einen Ausgangspunkt zurück. »Fräulein, Sie und Ihr Freund haben offenbar eine glänzende Zukunft hinter sich«, höre ich Sie sagen, wobei Sie ja vollkommen recht haben. Ich fühl´s ja selber, nur glauben tu ich´s nicht. Noch nicht. Deswegen schreib ich´s Ihnen mal, damit Sie´s wissen. Und wer weiß, vielleicht bin ich dann die nächste, die´s erfährt. Ganz schön kompliziert, die kleine Violetta, n´est-ce pas?
Right, here goes. Also den Stein ins Rollen gebracht hat eigentlich Hans-Jörgs Computer. Oder auch der Stromausfall. Wie man´s nimmt. Das läuft dann auf eine ähnliche Überlegung hinaus wie: wenn 1941 diese eine Bombe nicht im E-Werk von Liverpool eingeschlagen hätte, dann... ja, dann hätten in einem der umliegenden Luftschutzkeller zwei bei Tageslicht besehen eher schüchterne Leute darkness permitting nicht zueinander gefunden, und neun Monate später hätte es keinen Paul McCartney gegeben. Und kein Mensch würde heute wissen, wer zum Teufel die Beatles sind. Keine Fliegerbombe, keine Beatles. Étonnant, non?
Bref. Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, daß Hans-Jörg und ich miteinander geschlafen haben. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob man das, was da zwischen uns abgelaufen ist, noch als »miteinander schlafen« bezeichnen kann. Eher »Haß machen«, so wie in »Liebe machen«.
Indirekt war da also der Computer schuld. Oder eben besagter Stromausfall. Aber nicht so wie Sie denken. Nicht so wie in Liverpool. Oder wie vor ein paar Jahren in New York, wo wildfremde Leute zusammen in Aufzügen und Büros eingesperrt waren in der Finsternis, und neun Monate später gab´s dann den großen Baby-Boom. Nein, ganz blöd.
An diesem einen fatalen Nachmittag saß ich in Hans-Jörgs geräumigem Arbeitszimmer und tippte munter mein Tagebuch in seinen Computer. Aus rein erzählerischem Reflex schreibe ich »saß« und »tippte«. Genausogut könnte ich »sitze« und »tippe« schreiben, weil... Hmmm. Der Mensch ist doch ein seltsames Universum. Eine Überlagerung von Zeitstillständen, wenn man so will. Alle zwei drei Jahre mal bleibt die Zeit für einen irgendwo hängen, und dieser ewige Moment lebt dann in einem fort, bis man dann mit der Zeit nichts anderes mehr ist als die Summe derartiger Anachronismen. »Fräulein, wollen´s jetzt noch lange weiterphilosophieren?!?«, höre ich Sie sagen. OK OK. Zurück zum 21. Juni 1997.
An diesem einen fatalen Nachmittag sitze ich in Hans-Jörgs geräumigem Arbeitszimmer und tippe munter mein Tagebuch in seinen Computer. Also kurz bevor ich bei Ihnen gelandet bin. Nun wird mir auch schön langsam klar, daß ich die ganze Zeit bisher auf Ihrer Couch mehr oder weniger mit Schönfärberei vergeudet hab. Ich gehe da jetzt nicht näher drauf ein, weil ich diesen Brief sonst noch als Paketsendung abschicken muß. Abgesehen davon sehen wir uns sowieso übermorgen. Vorwegnehmend nur soviel. Meine Beziehung zu Hans-Jörg war von Anfang an gestört. Mit Ausnahme vielleicht der ersten zwei drei Wochen. Eigentlich wollte ich ja schreiben »Unsere Beziehung war alles andere als harmonisch«, aber das stimmt nicht ganz. Irgendwie ist es ja gerade das: wir ergänzen uns auf pathologische Weise. Und einem Teil von mir war das von Anfang an klar, besagte zwei drei Wochen eben ausgenommen. Und dieser Teil von mir tippte nun seine Gedanken in Hans-Jörgs Computer. Tippt nun seine Gedanken in Hans-Jörgs Computer. »Elender Schlappschwanz. Hältst da im Simmeringer Bierzelt vor versammeltem Kameradschaftsbund eloquente Brandreden über die wahre Mannesehre. Aber wenn deine Mama anruft, dann heißt´s immer nur ja natürlich Mama is schon klar Mama bitte reg dich nicht auf Mama komm jetzt beruhig dich Mama aber sicher Mama. Und am selben Abend sitzt du schniefend an der Bettkante und wunderst dich, daß du keinen hochkriegst. Ich komm mir echt schon vor wie in einem Dreiecksverhältnis. Nur daß deine Mama am längeren Hebel sitzt. Vielleicht HAT sie sogar den längeren Hebel.« Undsoweiter undsofort. Und plötzlich geht´s KLACK! Meine Haßtirade verschwindet als Sternschnuppe hinter dem schwarzen Bildschirmhorizont, und ich sitze im Finstern. Stromausfall. Panik.
Ich tappe also erstmal in die Küche raus, um eine Kerze zu suchen. Und dann drücke ich beim Sicherungskasten solange blindlings alle Schalter hin und her, bis überall das Licht wieder angeht. Ich gehe zurück ins Arbeitszimmer und höre schon von weitem den Computer starten, und mir fällt ein Stein vom Herzen. Jetzt sehe ich auch schon das bunte Windows-95-Logo und bin fast glücklich darüber. Da plötzlich gibt der Kasten einen erschreckend schrillen heiseren Piepton von sich. Der Bildschirm ist nur mehr ein einförmiges Blitzblau, und statt der ersehnten Ikonen stehen da nur mehr lauter kabbalistische Zeichen. Weit und breit kein Mauszeiger. Ich hab nicht den leisesten Schimmer, wo ich da jetzt draufdrücken soll, also schalte ich das Ding erstmal aus und gleich wieder ein. Da ist auch wieder das Windows-Logo und der Wolkengrund, und ich schöpfe wieder Hoffnung. Aber nein. PIIIIIIIIIIIIIIIIEP! Dazu eine unverständliche Fehlermeldung. Achttausendeinhundertzweiundneunzig Bytes auf irgendeinem Laufwerk. Ja, schön, und weiter? Jetzt drücke ich ein bißchen rum, zuerst zaghaft und unsystematisch. Und als sich immer noch nichts tut, gehe ich alle Tasten von links oben nach rechts unten durch. Dann dasselbe nochmal mit gedrückter Großschreibtaste. Und dann noch ein letztes Mal mit dieser komischen [CTRL]-Taste. Und da passiert dann doch etwas. Das leere Diskettenlaufwerk gibt ein gräßliches Schnarren von sich, das Windows-Logo läßt kurz grüßen, aber da öffnen sich lauter kleine bedrohlich wirkende Fenster mit weiß durchkreuzten japanischen Flaggen drin. Und einem Haufen Nonsens, wie die oberste Reihe auf einer Tastatur. &#$%@§!!! Jetzt spinnt offenbar selbst die Fehlermeldung. Es sei denn, ich hab aus Versehen auf Aramäisch oder Phönizisch umgeschaltet. Wie dem auch sei, viel kann ich mit diesem wildgewordenen Diorama nicht anfangen. Schön langsam mache ich mir ernsthaft Sorgen, wie ich wieder zu meinem Text gelangen soll.
Sie wissen ja, wie das ist, wenn man seine Wohnungsschlüssel sucht. Statt daß man die ganze Wohnung systematisch durchkämmt, kehrt man immer wieder stur zu den zwei oder drei Stellen zurück, an denen man schon vorher nichts gefunden hat. Nun, ich hab mich da ungefähr genauso intelligent verhalten. Ich hab mein sinnloses Tastendrückritual solange erfolglos wiederholt, vielleicht eine Stunde, vielleicht mehr. Bis ich die Eingangstür ins Schloß fallen hörte und Hans-Jörg neben mir stand und mich mit gepreßter Stimme fragte, was zum Henker ich da eigentlich mache.
Ich hörte ihn kaum, so sehr pochte mir mein Puls gegen mein Trommelfell. Er mag´s schon mal überhaupt nicht, wenn ich in seiner Abwesenheit an seinem Computer rumdrücke, und so war er schon von vornherein ziemlich grantig. Ich hab also das Feld geräumt, das heißt, ich hab mich gleichzeitig geduckt und bin aufgestanden, wenn Sie sich vorstellen können, wie das geht. Und dann bin ich wie angewurzelt neben ihm stehengeblieben und hab meine Fingernägel bis aufs Fleisch zerbissen. Er hat das Ding ausgeschaltet, hat eine Diskette reingeschoben und beim Einschalten irgendeine mysteriöse Tastenkombination gedrückt, auf die selbst ein paar Phantastilliarden atavistischer Affen nie gekommen wären, von mir ganz zu schweigen. Ich erinnere mich noch, daß ich zu beten anfing. »Lieber Gott, mach irgendwas, nagle ihn mit biblischem Brechdurchfall auf der Toilette fest, und ich versprech dir, ich lästere nie wieder, und schon gar nicht in den Computer meines Nächsten.« Und genau da, mitten in meinem stummen Gebet, bin ich zur Salzsäule erstarrt. Da stand er, mein Text, und füllte den Bildschirm. TAGEBUCH.DOC (WIEDERHERGESTELLT). Sein Atem wurde schneller. Er fing an, ganz langsam den Kopf zu schütteln, fast wie in Zeitlupe. Jetzt zischte er zwischen den Zähnen. »Wasss. Issst. Dasss.« Ich stand noch immer wie versteinert neben ihm und schaute meiner Textmedusa ins Aug. »Elender Schlappschwanz. Hältst da im Simmeringer Bierzelt vor versammeltem Kameradschaftsbund eloquente Brandreden über die wahre Mannesehre. Aber wenn deine Mama anruft, dann heißt´s immer nur ja natürlich Mama is schon klar Mama bitte reg dich nicht auf Mama komm jetzt beruhig dich Mama aber sicher Mama. Und am selben Abend sitzt du schniefend an der Bettkante und wunderst dich, daß du keinen hochkriegst. Ich komm mir echt schon vor wie in einem Dreiecksverhältnis. Nur daß deine Mama am längeren Hebel sitzt. Vielleicht HAT sie sogar den längeren Hebel.«
Als er sich umgedreht hat, um mir mit voller Wucht eine zu knallen, hab ich es fast wie eine Erlösung empfunden. Ich hab gewußt - solche Sachen weiß man einfach, ohne zu wissen, warum - daß er nochmal zuschlagen wird, und es hat mich selbst gewundert, daß ich nicht zurückgewichen bin. Und er hat. Nochmal zugeschlagen. Und dann noch einmal, diesmal mit dem Handrücken, und erst diese dritte Ohrfeige hat mich zu Boden gestreckt. In die betäubte Leere meiner Empfindung drängten sich zwei ziemlich absurde Gedanken. Ich sagte mir erstens, daß ich keinen schlechten Burschenschafter abgegeben hätte, nachdem ich nicht mal mit der Wimper gezuckt hatte. Und dann fragte ich mich, ob mir Mundl´scher Redensart gemäß vierrrzehn Tog darr Schädel woggln würde.
Was dann passiert ist, hatte ich mir gleich zu Beginn der Analyse geschworen, Ihnen niemals zu erzählen. Stein und Bein. Unter keinen Umständen. Weil es unweigerlich an eine andere Geschichte rührt, die ebenfalls... [ENTER]
OK, mir gehen jetzt die Pferde durch. Ich nehme also die Klarheit der Darstellung als willkommenen Vorwand, meine Gedanken jetzt nicht abschweifen zu lassen, sondern bei der Sache zu bleiben. Irgendwann früher oder später werde ich Ihnen die andere Geschichte wohl oder übel auch erzählen müssen. Ich merke es ja, das Bekenntnis pocht in mir wie ein zappelnder Embryo im Mutterleib, und ich winde mich unter seinen Tritten. Zweimal auf den letzten beiden Seiten hab ich »Hans-Peter« statt »Hans-Jörg« geschrieben, und... na, Sie werden schon verstehen, wenn´s soweit ist. Wer einmal ein Schneebrett lostritt, der kann nur zuschauen und hoffen, daß da nicht zuviele Leute mit draufgehen. Einer ist da nämlich schon draufgegangen, aber ich hab das Gefühl, ich kann mich auf Ihr ärztliches Schweigegelübde verlassen. Sonst hätte ich auch diesen Brief gar nicht erst begonnen.
Ich wollte aufstehen, aber ich konnte nicht. Eine unendliche Trägheit breitete sich in meinem Körper aus und nagelte ihn regelrecht auf dem Boden fest. Gleichzeitig blieben all meine Sinne hellwach. Ich studierte jede einzelne Faser des Perserteppichs. Das Wort »handgeknüpft« gelangte zu ungeahnter Bedeutung. Jede einzelne dieser Schlaufen war tausende Kilometer von hier durch verwitterte und erfahrene Hände gelaufen. Hans-Jörg keuchte jetzt regelrecht, aber nicht vor Anstrengung. Ich kannte dieses Keuchen. Jetzt hätte ich gerne gesehen, wie die aufkeimende Geilheit sein Gesicht christushaft entstellte, doch ich wagte nicht, zu ihm aufzuschauen. Ich hörte das Klimpern seiner Schnalle, als er seinen Gürtel rausfädelte.
Er hat genau achtmal zugeschlagen, und jeder Schlag war eine schwarze Sonne der Lust. Wenn man genau hinschaut, sieht man die Striemen heute noch. In diesem Augenblick liebte ich ihn, ich wollte alles tun, um seiner Liebe wert zu sein. Und ich wußte, er fühlte dasselbe wie ich: Das war die gelungene Vorstellung nach der verpatzten Generalprobe.
Er hatte mir nämlich kurze Zeit vorher die SS-Uniform seines Großvaters gezeigt, samt Stiefel, Reitpeitsche und Dolch. Mir hat´s glatt einen Stich ins Herz versetzt. Meine ganze humanistische Verbildung mit einem Schlag nur mehr ein Haufen ödes Zeugs, den man bedenkenlos über Bord werfen konnte, Platsch! Ich zerrte ihn ins Bett, bevor er auch nur daran denken konnte, die Uniform wieder auszuziehen. Ich wartete den Moment ab, wo auch ihn der Dämon packte, und dann flüsterte ich ihm ins Ohr, was mir seit der ersten Sekunde durchs Hirn geschossen war. »Die Reitpeitsche. Bitte. Schlag mich damit. Fest.«
Wenn er wenigstens vollends gekniffen und abgelehnt hätte. Das hätte ich unter Umständen noch akzeptiert. Aber nach den paar müden und weniger als halbherzigen Klapsen, die er mir da versetzt hat, hab ich ihn angeschrien, er soll sofort aufhören und diese lächerliche Uniform da gefälligst wieder ausziehen.
Jetzt aber tobte er sich umsomehr aus, als er sich für die zuvor erlittene Demütigung rächte. Da war er also endlich, der perfekte Hassfick. Ich hörte ihn hastig seine Hose aufknöpfeln. Er riß meinen Rock hoch und hielt kurz inne, als er merkte, daß ich keine Unterwäsche anhatte.
Übrigens bemerkenswert. Während ich Ihnen schreibe, ist es so, als ob ich mich auf unverbindliche Weise in meinen damaligen Geisteszustand zurückversetzen würde. Wenn ich wollte, könnte ich den Computer ausschalten, und dann wäre ich wieder im Hier und Jetzt. Es läge nur an mir. Aber während ich der Vergangenheit in ihre tausend Augen schaue, erlangen für mich seither unverständlich gewordene Gedankengänge allmählich ihre Plausibilität zurück. Ich erinnere mich noch genau, was mir durch den Kopf ging, als er mich an den Haaren riß und ich mir das Kinn am Teppich wundscheuerte. Hätte mich vor nicht mal zehn Minuten ein fiktiver Großinquisitor darauf angesprochen, so hätte ich es noch mit energischem Nachdruck abgestritten. Aber jetzt weiß ich es wieder genau. Ich hab mir gesagt: »Wenn das das Ergebnis ist, dann werd ich dich öfter bis zur Weißglut ärgern, mein Junge!« Während ein unbeträchtlicher Teil von mir der Form halber zaghafte und wenig überzeugende Versuche unternahm, sich loszureißen. Schließlich hat man ja auch seinen Stolz.
Wenn das jetzt ein Roman wäre, eine von diesen fetten amerikanischen Schwarten mit dem Titel in Goldlettern, Kategorie »Drama«, dann stünde da jetzt sicher irgendwas wie »Sie erlebte vier gewaltige Orgasmen in kurzer Folge. Eine Flutwelle der Lust schwappte über ihnen zusammen« oder so ähnlich. Schrott. Ich hatte e-i-n-e-n Orgasmus. Aber was für einen. Wow! Ich hab glatt das Bewußtsein verloren. Oder vielleicht bin ich auch nur eingeschlafen. Keine Ahnung. Auf jeden Fall besser, viel besser als jede Anxiolytika-Injektion.
Wie ich dann wieder zu mir gekommen bin, standen oder lagen die Dinge etwas anders. Ein dumpf schreiender Schmerz in meinem Rücken wie eine frische Operationsnarbe im Aufwachsaal. Mein Kinn und meine Wangen ein einziges Brennen in allen Schattierungen. Einiges deutete darauf hin, daß ich allein im Zimmer lag. Schwalben drehten knapp vorm Fenster Loopings. Irgendwo plärrte ein Radiowecker. Ich rappelte mich auf, durchquerte teilnahmslose Stille, dunkle Flecken und Karomuster über meiner Netzhaut wie farblose Mikroben unterm Elektronenmikroskop.
Im Badezimmer knipste ich die Neonröhre an und betrachtete mich in dem großen Wandspiegel. Auweia. Eine ansehnliche Schürfwunde schraffierte mein Kinn. Auf dem rechten Backenknochen ein blaugrauer Fleck, auf dem linken eine schwarzrot verfärbte Schramme. Der Siegelring. Ich drehte mich so gut es ging und biß die Zähne zusammen. Die Bluse hing in Fetzen über meinen Rücken, dazwischen überschnitten sich blutverkrustete Striemen. Das Umdrehen zerrte an den frischen Narben, aber ich war zu fasziniert, um meinen Blick abzuwenden.
Ich wollte gerade schreiben »Aber da werden Sie nicht begreifen, was in mir vorging«. Blödsinn. Ich bin ja diejenige, die nicht begreift, was in mir vorging. Und wenn ich nicht felsenfest darauf bauen könnte, daß Sie mich begreifen, so wäre es schon längst aus zwischen uns beiden. Also zurück.
Auf eine gewisse Art war ich stolz auf diese Striemen. Stolz wie ein australischer Ureinwohner auf seine brandneue Skarifikation. Stolz wie ein Yakusa auf seine lebenslänglichen Tätowierungen. Ich dachte an die Story von diesem Jungapparatschik Helmut Scheitanek zurück, der Hans-Jörg und mir beim letzten großen Bierzelthappening in den Allerwertesten gekrochen ist. Einer von diesen Holzköpfen, für die ein Post-Graduate-Studium darauf hinausläuft, daß sie nach der HTL David Irvings Geschichte des Dritten Reiches entziffern und dann mit ihrem profunden Geschichtswissen hausieren gehen. Ein Detail seiner hirnverbrannten Biertischanekdoten hat sich jedoch in meinem Gedächtnis festgebrannt. Wußten Sie, daß sich in einigen ungarischen Dörfern bis Anfang der dreißiger Jahre der Brauch erhalten hat, Dienerinnen und Mägde, die sich etwas zuschulden kommen ließen, öffentlich auszupeitschen? Nein, ich wußte nicht, brachte ich mit vor freudigem Schock bebender Stimme raus. Er hat meine Verwirrung aber nicht bemerkt und gleich munter weitererzählt, von seiner türkischen Putzfrau, und wie er das gern mit ihr machen würde. Er versteckt ihr nämlich systematisch Schillingstücke unterm Teppich, die sie nur in Ausnahmefällen wieder auffindet. Da war meine Aufmerksamkeit aber schon am Abdriften. Ich kann mich erinnern, ich bin den ganzen Abend in diesem lärmenden Bierzelt gesessen, die Gute-Alte-Zeit-Geschichten von diesem Scheitanek gingen mir bei einem Ohr rein und beim andern wieder raus, ebenso wie die cholesterinreiche Ironie der diversen Ansprachen, während ich lustlos an meinem lauwarmen Bier nippte und mir umso lustvoller vorstellte. Wie das wäre. So auf einem Dorfplatz öffentlich ausgepeitscht zu werden. Ich stellte mir vor. Daß die Männer im Dorf alle ihren Sonntagsanzug aus dem Kasten holten, um der Vollstreckung beizuwohnen. Ich stellte mir vor. Wie ich bei jedem Hieb unweigerlich aufstöhnen würde. Immer lauter und ungenierter. Bis alle Männer im Publikum einen Steifen hatten. So unverständlich es klingen mag: ein paar flüchtige Augenblicke lang schwelgte ich nun regelrecht in dieser Bierzeltatmosphäre. Ein paar flüchtige Augenblicke lang wünschte ich mir nichts sehnlicher als eine Zeit der Barbarei und des Faschismus, in der öffentliche Auspeitschungen wieder an der Tagesordnung wären. In der ein paar resche Knackärsche vom Rudel Fortschrittlicher Studenten ein dankbares Publikum zu meiner Auspeitschung abgeben würden. Undsoweiter undsofort. Diese giftigbunte Seifenblase meiner Einbildung zerplatzte dann schnell, als Hans-Jörg am Rednerpult zur planmäßigen Besänftigung der schäumenden Gemüter den liberalen Schwiegersohn rauskehrte und dieser Scheitanek außer Hörweite mit ein paar zweideutigen Komplimenten voller esprit bezüglich meiner Oberweite rausrückte. Ich machte eine ebenso geistreiche Anspielung auf seine Penislänge, deren allegorischer Gehalt ihm durch seine plötzlich aufwallenden Kastrationsängste vernebelt worden sein dürfte, zahlte mein Bier und nahm mir ein Taxi nach Hause. Und das war´s dann fürs erste.
Na ja, jetzt aber war die ganze Geschichte Wirklichkeit geworden. Es fühlte sich ganz anders an als in meiner Vorstellung, irgendwie herber, aber an den Geschmack wollte ich mich gerne gewöhnen. Ich dachte an unser nächstes wöchentliches Abendessen bei den Drei Husaren und gelobte, kommenden Samstag das schwarze Crêpe-Kleid mit dem tiefen Rückenausschnitt anzuziehen. Ich hatte mir meine Striemen redlich verdient, nun wollte ich alles daran setzen, sie gesellschaftsfähig zu machen.
Das alles dachte ich mir natürlich nicht so klar, wie ich es Ihnen jetzt darlege. Es geisterte flüchtig und unformuliert in meinen Hirnwindungen rum, als ich in mein Zimmer torkelte. Dort lag ein mit großen Edding-Blockbuchstaben beschriebenes Blatt auf meinem Schreibtisch. WAS ICH GETAN HABE, IST MIR UNBEGREIFLICH. ENTSCHULDIGE. HJ.
Aus der Traum. Ich hab den Zettel zerknüllt und auf den Boden geschmissen. In die Küche und dort das ganze Geschirr zertrümmern? Seinen Computer aus dem Fenster schmeißen? Seine kitschige Bildersammlung mit dem Stanley-Messer bearbeiten? No way. Nicht die Kraft. Nicht den Mut. Stattdessen hab ich zu heulen begonnen. So oder so ähnlich mußte sich ein Cold Turkey anfühlen. Nach dem vielversprechenden Trip der totale Absturz. Ich wußte, warum ich allein war. Hans-Jörg war vor mir geflüchtet. ER HATTE ANGST VOR MIR! Ich glaube, das war so ziemlich der mieseste, elendste und erniedrigendste Augenblick in meinem Leben.
Ich wollte, ich mußte es ihm heimzahlen. Egal wie, nur auf möglichst ebenso miese und erniedrigende Weise. Ich wußte nicht, wen ich mehr haßte, ihn oder mich. Er war geflüchtet, und so bot sich die Lösung von selbst an. Ich hab mir die fast volle Rohypnolflasche geschnappt und bin damit ins Schlafzimmer. Wie ein Sprung vom Zehnmeterbrett. Wenn man zu lange hin und her überlegt, dann kann man´s gleich vergessen. Also hab ich den Tropfer abgeschraubt und die Flasche auf ex geleert. Und dann hab ich mich einfach ins Bett gelegt und die Augen geschlossen. Die Schwalben draußen umkreisten seit ewigen Zeiten die glutrote Aura der Abendsonne. Um gegen einen Weinkrampf anzukämpfen, entwickelte ich eine angenehm grausame Einschlafphantasie von Sklavinnen und Legionären in elysischen Feldern. Dann nichts. Film gerissen.
Aufgewacht bin ich in der Polyklinik im Neunten. Schläuche im Mund und in der Nase, und ein Brechreiz, der ins Guinness Buch der Rekorde gehörte. Neben dem Bett saß Hans-Jörg, und das war das erste und einzige Mal, daß ich ihn hab weinen sehen. Offenbar hat er seinen Einfluß geltend gemacht, um mir das Einzelzimmer zu verschaffen. Ich fragte mich, wann er Zeit gefunden hatte, um den riesigen Blumenstrauß neben dem Bett zu organisieren. Kaum wahrscheinlich, daß er selbst ins Blumengeschäft runtergelaufen ist. Eher würde er einer Putzfrau oder einer Pflegerin ein obszönes Trinkgeld zugesteckt haben, damit sie runtergeht und das Nötige besorgt. Obwohl sich herausstellte, daß er mich eigenhändig bis in die Polyklinik getragen hat. Ich stellte ihn mir vor, wie er Rotz und Wasser heulend durch die Lange Gasse lief. Den fragenden Blicken der Passanten ausgesetzt. In den Armen ein lebloses Bündel, das nach Wiederbelebung schrie. Fast rührend.
Die Schwestern und der Visitenarzt schienen besonderen Wert darauf zu legen, ihn grob anzuschnauzen und seine Kommentare völlig zu ignorieren. In meiner Belämmerung hab ich mir zuerst gedacht, komisch, normalerweise sind sie entweder ganz g´schamste Diener, wenn sie ihn wiedererkennen und selber Sympathien für die Fortschrittlichen hegen. Oder aber es ist ihnen herzlich egal. Oder sie haben Schiß vor ihm. Aber dann hab ich vier und vier zusammengezählt und an die Ursache meiner Schmerzen im Rücken gedacht, die dem Spitalspersonal nicht entgangen sein dürfte. Er schien sich nichts daraus zu machen, daß sie ihn wie den letzten Dreck behandelten. Er saß mit verheulten Augen neben dem Bett und lächelte mir treuherzig zu. Ich lächelte erschöpft zurück. Noch nie habe ich ihn so gehaßt. [ENTER]
Man kann es so sehen. Ich hätte dabei draufgehen können. Aber man kann es auch so sehen. Ich bin dabei nicht draufgegangen, und meine Karten haben sich erheblich verbessert. Das mag jetzt dem unbeteiligten Leser ein bißchen zynisch erscheinen, aber erstens sind Sie alles andere als ein unbeteiligter Leser (ODER?!?), zweitens verspüre ich, während ich diese Worte niedertippe, eine befremdende Distanz. Als würde ich Ihnen die Lebensgeschichte einer guten Bekannten von mir erzählen, in die ich mich gerade gut genug hineinversetzen könnte, um ihre Denkvorgänge plausibel darzustellen. Als ob all meine aufgestauten Gefühlsknoten von damals sich vor meinen Augen in ebenso greifbare wie harmlose Gedanken auflösen würden.
Sie haben mich noch drei Tage zur Kontrolle dortbehalten, und ich frage mich, inwieweit nicht auch da Hans-Jörg seine Finger mit im Spiel gehabt hat. In der Klinik schien höchste Platznot zu herrschen, sofern dem Jammern der Patienten draußen am Gang zu entnehmen war. Jeder Blinddarmpatient wurde mehr oder weniger sofort nach der Operation nach Hause geschickt, nur mich haben sie »zur Beobachtung« dabehalten. Bis dann der Visitenarzt allein zu mir ins Zimmer gekommen ist und mir Ihre Telefonnummer in die Hand gedrückt hat. Ich hab mich noch lange Zeit nachher gefragt, ob Hans-Jörg nicht einfach nur Zeit gewinnen wollte, bis er mit dem Zimmer fertig war.
Objektiv betrachtet wäre es ja eine tolle Überraschung gewesen. Jedenfalls hatte er sich alle Mühe gemacht. Das Gästezimmer als solches war nicht mehr vorhanden. Es war neu tapeziert worden, der Parkettboden neu geschliffen und versiegelt, und drüber ein neuer raumfüllender Perserteppich, der ihn locker ein Monatsgehalt gekostet haben muß. Kleiderkasten und Schreibtisch mit integriertem Computer stammten offenbar vom selben Designermöbelhersteller. Das Bett auch, das für eine Person großzügig, für zwei Personen dagegen knapp bemessen schien. Ich stützte die Fäuste auf die Schreibtischplatte und fragte mich, wie weit die Aussicht bis zum Steffl die dicke Luft hier drinnen wiedergutmachen würde. Hans-Jörg stand erwartungsvoll an der Schwelle, sein ganzes Wesen ein einziges unausgesprochenes »Na?!?«. Er wollte nicht reinkommen, also bin ich zu ihm zurückgegangen und hab ihn auf die Wange geküßt. Die Nacht hab ich in meinem neuen Bett verbracht, allein. Die siebenhundertundzwölf folgenden Nächte ebenfalls. Hans-Jörgs Anklopfen ist mit der Zeit immer zaghafter geworden, bis er es schließlich ganz aufgegeben hat. So gesehen ist der Preis, den ich für meinen Lebensstil zahle, relativ gering. Ab und zu ein Abendessen mit seiner Truppe aus dem Ministerium, der er mich stolz als »die angehende Literaturnobelpreisträgerin« vorstellt. Obwohl er nicht die leiseste Ahnung hat von dem, was ich da in den Computer reintippe. So wenig wie ich, ha ha ha! Zum Glück hat er sich´s angewöhnt, immer regelmäßiger zu seinen Männerabenden bei der Teutonia zu gehen. Da hab ich dann völlig meine Ruhe.
Witzig. Die erste Zeit nach meinem Selbstmordversuch (das Wort geht mir schwer von den Fingern, noch schwerer von der Zunge) bin ich nur dagesessen und hab mir überlegt, wie ich mich wohl an Hans-Jörg rächen könnte. Die wüstesten Pläne sind mir dann durch den Kopf gegangen. Exklusiv-Interview in der Sonntags-Krone. UNGLAUBLICH! LEBENSGEFÄHRTIN VON MINISTER AUSGEPEITSCHT! AUSFÜHRLICHER BILDBERICHT SEITE 3. Oder vor einer wichtigen Parlamentsrede ein saftiges Abführmittel in seine Cornflakes. Als ich draufgekommen bin, daß er zu den Nutten geht, wollte ich ihm Tabasco in seine Kondome schmieren und bin an der Frage gescheitert, wie ich die verdammten Dinger wieder in ihre Originalverpackung reinwurschtle. Undsoweiter undsofort. Bis ich schön langsam draufgekommen bin, daß ich mir unnötig den Kopf zerbreche. Weil er ohnehin ohne mein weiteres Zutun sein Fett abkriegt. Unter uns: er ist völlig mit den Nerven fertig.
Jetzt hab ich in jeder Hinsicht genug von dem Spaß. Wird Zeit, der Macht der Gewohnheit ein Schnippchen zu schlagen und diesem neurotischen Arrangement ein kurzes und schmerzloses Ende zu bereiten. Oder meinetwegen lang und qualvoll. Was meinen Sie?
herzliche Grüße,
Violetta Sharpe
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