Der ganz normale Wana

Anthologie auf der Suche nach einem Verlag

Kulanz und Meinungsvielfalt


Ganz im Gegensatz zur undankbaren Mehrheit seiner Politikerkollegen betrachtet Walter Wana das ihm zur Verfügung gestellte Kolumnensprachrohr nicht als selbstverständlichen Tribut der Presse. Bescheiden, pragmatisch gesinnt und demokratischer Tradition verpflichtet zeigt er sich nicht nur dankbar für die Möglichkeit allmonatlicher Meinungsäußerung, sondern auch bereit, der Leserschaft - deren soziologische Kategorien er kurz beleuchtet und bei Bedarf neu definiert - die Interaktion gründlich zu erleichtern, wobei Nörgler, anonyme Briefschreiber und sonstige Besserwisser von vornherein in die Schranken gewiesen werden.

Der unermüdliche homme de terrain Wana vertraut vor allem zwei Dingen: unablässiger Diskussion und unbeirrbarem Zeugnis der Sinne. Gerüchte und Halbwahrheiten werden entlarvt und gnadenlos an den Pranger gestellt, mögen die gewissenlosen Schreiberlinge, die Spekulation mit Recherche verwechseln, im Solde noch so illustrer groß- und kleinformatiger Publikationen stehen. Als gewissenhafter Autor darf Walter Wana es sich erlauben, hohe Maßstäbe zu setzen und Kollegen der schreibenden Zunft, die ihr Handwerk nicht so genau nehmen, die Grundprinzipien des Metiers ins Stammbuch zu schreiben. Gründliche Arbeit ist alles, Namen sind Schall und Rauch. Dem gestandenen Erben des Humanismus dient vor allen Dingen der Kompaß der Diskussion, um das Schiff der Bezirkspolitik zwischen der Scylla der allgemeinen Konfusion und der Charybdis des Baustellenlärms verläßlich hindurchzusteuern.

Wahre Souveränität erkennt man am Ausbleiben geheuchelter Allwissenheit. Walter Wana scheut es nicht, allfällige Ratlosigkeit offen einzugestehen und dem geneigten Leser die inhärenten Grenzen des Mediums Schrift ins Gedächtnis zu rufen. Gleichzeitig jedoch werden Sinn und Zweck desselben nie aus den Augen verloren: die vorliegenden Artikel haben nämlich - dem Pessimismus ihres Autors zum Trotz - durchaus das Zeug, mutwillige Parkbankzerstörer in ihrem üblen Werk innehalten zu lassen.




Aus Gründen der Kulanz und Meinungsvielfalt sind die der Bezirkszeitungen bereit, mir die Möglichkeit zu geben, um Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben, wofür ich mich bedanken möchte. Öfters bekomme ich Anrufe oder werde über andere Artikeln in den Zeitungen angesprochen. Dazu kann ich nur mitteilen, wenn ein Artikel in einer Zeitung nicht gekennzeichnet ist und jemand mit dem Inhalt des Artikels nicht einverstanden ist, den möge man der Redaktion schreiben. Bei gekennzeichneten Beiträgen kann man dem Verfasser direkt seine Meinung mitteilen. Dies bedeutet für mich, daß nur jene Artikel, die von mir gekennzeichnet wurden, in meine Verantwortung fallen. Also alles außer meinen Beiträgen kann, aber muß nicht mit meinen Ansichten übereinstimmen.

-- Pressefreiheit, März 1988


Da dies die letzte Ausgabe der Zeitung vor der Sommerpause ist, die nächste Ausgabe wird erst wieder zu Herbstbeginn erscheinen, gestatte ich mir Urlaubswünsche an Sie zu richten.

Es ist zu hoffen, daß die Witterung besser wird und das Frühjahrswetter nicht nahtlos in das Herbstwetter übergehen wird.

Allen Leserinnen und Lesern dieser Zeitschrift erlaube ich mir einen schönen und erholsamen Urlaub zu wünschen.

Selbstverständlich gilt der Wunsch auf gute Erholung auch jenen, welche keinen Anspruch auf Urlaub haben, dies sind die Pensionisten.

Auch den Schülern wünsche ich gute Ferien, damit sie im September vollen Mutes wieder in die Schulen gehen.

-- Alles Gute, Juni 1991


Der aufgemalte Schutzweg, im Volksmund Zebrastreifen genannt, bei der Kreuzung Stiftgasse - Lindengasse ist ja ganz schön, aber die Autofahrer nehmen leider wenig Notiz davon. Die Fußgänger springen noch immer wie die Hasen zwischen den Fahrzeugen umher. [...] Eine Diskussion über diese Kreuzung kann mit mir persönlich jederzeit geführt werden. Doch über Zeitungen mit mir zu reden, ist sicher nicht der richtige Weg.

-- Schutzweg Stiftgasse, Mai 1988


Es wäre sehr erforderlich, daß unsere Mitmenschen auch diese Zeitungen etwas genauer lesen würden. Es gibt die Möglichkeit des Telefons, des Briefes oder die persönliche Aussprache. Aber wenn in der Gemeinde oder im Bezirk manches in diesen Bezirkszeitungen geschrieben wird, kommt leider nicht immer das Echo zurück, das man sich erwarten würde. So wurde vor den Umbauarbeiten in der Mariahilfer Straße viel geschrieben, in Versammlungen erklärt und zu persönlichen Aussprachen eingeladen, aber es kamen immer nur einige. In der nächsten Zeit werden Mitteilungen kommen, welche Änderungen bei den Flächenwidmungs- und Bebauungsplänen betreffen. Es werden die Auflagezeiten bekanntgegeben und etliches mehr, bitte zeigen sie vorher ihr Interesse.

-- Fragen kostet nichts, September 1986


Meiner Ansicht nach sollte jeder, der mir etwas zu sagen hat, auch den Mut aufbringen, es mir persönlich zu sagen. Es kommen auch Personen zu mir in die Sprechstunden, um mit mir eine Angelegenheit zu besprechen, aber zugleich ersuchen, ihren Namen nicht nennen zu müssen. Auch dies ist möglich. Doch nur keppeln ohne die Möglichkeit der Diskussion geht nicht.

-- Sachlich diskutieren, April 1988


Manche haben sich schon bemüßigt gefühlt, wie ein Lehrer mit dem Finger zu drohen und anderen erklären zu wollen, in welchem Stil sie ihre Artikel schreiben sollen. Dazu meine ich, selber mit guten Beispiel voranzugehen ist besser, als andere belehren zu wollen.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, August 1978


Es gibt immer wieder Gerüchte, und sogar Bezirksvorsteher fallen darauf herein. Wenn man etwas an die Presse weitergibt, sollte man auch vorher Erkundigungen einholen, ob an einem Gerücht etwas wahr ist. So kam es zu einer Falschmeldung über die Mariahilfer Straße. Nach Auskunft von Stadtrat Dr. Swoboda konnte in Erfahrung gebracht werden, daß der Ausbau der Mariahilfer Straße nicht verzögert, sondern teilweise sogar vorgezogen wird.

So wird der untere Teil der Mariahilfer Straße zwischen Getreidemarkt und Stiftgasse, bis zur Eröffnung der U 3 im Herbst 1993 bereits umgebaut sein.

Also, auch Bezirksvorsteher haben die Möglichkeit, den Stadtrat zu fragen, bevor sie Gerüchte unbegründet an die Presse weitergeben.

-- Gerüchte, Februar 1991


In der Bezirkshauptversammlung der Mietervereinigung brachte deren Obmann einen eindrucksvollen Leistungsbericht über die letzten drei Jahre. Der Bericht umfaßte die Jahre 1985 bis 1987. In dieser Zeit gab es über 7200 Rechtsauskünfte sowie über 1000 Anträge und auch Verhandlungen bei der Schlichtungsstelle für den 7. Bezirk. Darüber hinaus waren über 210 Verhandlungen beim Bezirksgericht. Der Obmann und Sekretär Herr Rudolf Dissauer berichtete ebenfalls über die vielen erfolgreichen Mietzinsrückzahlungen in den Jahren 1985 bis 1987. Die Liste umfaßte mehr als eine Schreibmaschinenseite. Vor allem war aus dem Bericht zu entnehmen, daß es sich lohnt, wenn man Verschiedenes prüft und nachrechnen läßt.

-- Mietervereinigung, Februar 1988


Es ist halt nur schade, daß die Berichterstattung in der letzten Zeitschrift von einem Abbruch eines Hauses berichtete, manchmal wäre halt ein Spaziergang in der Gegend über die geschrieben wird, bestimmt günstig.

-- Bezirksvertretung, Februar 1987


Wenn ich in etlichen Artikeln meinte, faire Wahlwerbung sei wichtig, so meine ich auch, eine ordentliche Berichterstattung sei notwendig. Ein Berichterstatter für unseren Bezirk sollte sich unbedingt einmal an Ort und Stelle überzeugen, ob der Inhalt des Artikels stimmt. Bilder sollten nicht wie manipuliert aussehen, damit eine Falschmeldung unterstrichen wird. Einen leeren Straußpark zu zeigen, finde ich einfach manipuliert. Zu schreiben, es gäbe keine Besucher im Straußpark, finde ich als Falschmeldung und Frechheit. Sicher, am zeitlichen Vormittag sind wenige Besucher im Park, doch würde dies über den ganzen Tag so sein, wieso gibt es dann die starken Abnützungsspuren zu sehen?

-- Faire Wahlwerbung, September 1987


In einer sogenannten Neubauer Zeitung mit einem Umfang von zwölf Seiten befassen sich mehr als sieben Seiten gar nicht mit dem Bezirk.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, April 1978


Es erscheint mir direkt als Frechheit, wenn Falschmeldungen ohne genügende Recherchen gebracht werden. Also der Inhalt eines Artikels "Chaos durch Kurzparkzonen war falsch.

-- Keine neuen Kurzparkzonen in Lindengasse, Juli 1986


Über das Allgemeine Krankenhaus wurde bereits sehr viel geschrieben, und es bleibt zu hoffen, daß bald ein Durchblick durch die vielen Feststellungen möglich wird.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, Mai 1980


Sie [ = die Redakteure der sogenannten unabhängigen Tageszeitungen] argumentieren mitunter gerade dort besonders einseitig, wo es um Dinge geht, die sie nicht durchschauen und nicht verstehen.

-- Wer ist unabhängig?, März 1986


Schlimm ist es, wenn in Zeitungen Artikel erscheinen, die über das Problem der Betreuung älterer Menschen hinweggehen und die den Eindruck erwecken, als ob der Verfasser keine Ahnung hat, worüber er schreibt. Ich nehme nicht an, daß absichtlich falsch berichtet wird, das wäre noch schlimmer.

-- Sophienspital, Mai 1985


Es wäre halt doch besser, Informationen einzuholen, anstatt ins Leere zu berichten. Unter den vielen in letzter Zeit mir zugegangenen Briefen befand sich auch eine anonyme Zuschrift über die Schule, doch die oder der Briefschreiber war nicht nur zu feige, seinen Namen zu nennen, sondern ist auch noch einer Fehlinformation aufgesessen. Normalerweise übergehe ich aus Prinzip anonyme Briefe, doch diesmal wollte ich eine Ausnahme machen.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, April 1981


Zu Beginn meines Artikels möchte ich feststellen, wenn in manchen Druckschriften und Zeitungen einzelne Verfasser meinen, in ihren Artikeln unbedingt Gehässigkeit oder Unobjektivität mit einflechten zu müssen oder bereits mit einer Wahldiskussion beginnen zu wollen, so zeigt dies nur, daß sie, diese Artikelschreiber nämlich, ein gutes Klima vergiften wollen. Oder soll von der Sachlichkeit bewußt abgelenkt werden? [...] Diese Einleitung nur dazu, um anzuzeigen, daß man nicht einfach alles machen oder schreiben kann, da es vielleicht eh nicht so genau genommen wird.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, September 1981


Es wäre nun doch an der Zeit, wenn so manche Zeitung ihre Hetzartikeln gegen das Krankenpersonal einstellen würden. Sicher ist es vollkommen richtig, die Schuldigen, welche eine Tötung der ihnen anvertrauten Patienten betrieben, zu bestrafen. Aber es soll doch nicht so berichtet werden, als ob in jeder Abteilung wo Pflegepersonal tätig ist, nur gesoffen oder gefeiert würde. Ich möchte feststellen, daß ich solche, vor allem mit Alkoholkonsum verbundene, Arbeitsplatzfeiern keinesfalls befürworte. In den letzten Wochen bin ich vielen anständigen Personen des Pflegepersonals in Spitälern oder Heimen begegnet, sie waren über ihre Kolleginnen aus Lainz sehr, sehr bestürzt. Alle würden sie bei geringstem Verdacht sofort die Behörden verständigen.

-- Keine Hetzartikel, Mai 1989


Es kommen auf uns Zeiten der Diskussion heran.

-- Diskussion, Dezember 1990


Im Dezember des Vorjahres wurde die neue Bezirksvertretung angelobt. Die Fraktionsvorsitzenden der einzelnen Fraktionen gaben Erklärungen ab. Diese Aussagen hörten sich an als wäre im Bezirk keine regierende Fraktion vorhanden, sondern es gäbe nur Fraktionen in Opposition. Sicher sind immer und überall wo es um Geldmittel geht die Forderungen höher als die die zu erwartenden Summen. Auch in einem Bezirksbudget muß es eine ordentliche Geschäftsgebarung geben. Daß es immer mehr Wünsche als Möglichkeiten gibt, bleibt unbestritten. Wir meinten, das Bezirksbudget für 1988 genau besprochen zu haben und auch so weit es möglich war nach den Erfordernissen ausgerichtet zu haben. Also nun muß weiter diskutiert werden.

-- Bezirksbudget 1988, Jänner 1988


Nun wird es mit der U-Bahn-Bau-Arbeit richtig ernst. Die bisher schon stattgefundenen Gleisverlegungen gaben ja bereits einen Vorgeschmack. Man muß aber leider sagen, daß nicht alles so abgelaufen ist, wie man angenommen hat. Dies bedeutet, daß es für die nächste Zeit doch einiger Gespräche bedarf, um die Begleitumstände um die Baustellen herum für die Wohnbevölkerung erträglich zu halten.

-- U-Bahn: Es wird ernst, März 1987


Ein Artikel mit dem Titel Aktuelles aus dem Bezirk sollte über alle aktuellen Ereignisse berichten. Doch läßt sich eine Zeitung nicht wie Gummi dehnen - daher kann nicht auf alles und jedes eingegangen werden. Es wäre oft sehr notwendig, diversen Aussagen in verschiedenen Druckschriften zu erwidern, damit nicht der Eindruck entsteht, man stimme zu, weil man nicht widersprochen hat. Dem ist eben nicht so, aber manche Mitteilungen in dieser Zeitschrift scheinen mir halt wichtiger, als mich mit Teilwahrheiten auseinanderzusetzen.

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, Dezember 1980


Bitte um Nachsicht, wenn mein Artikel diesmal besonders lang wurde, aber die aktuellen Dinge waren diesmal besonders groß, bis zum nächstenmal verbleibe ich

Ihr

Walter Wana

-- Aktuelles aus unserem Bezirk, Oktober 1981


Da dieser Artikel von mir früher geschrieben wird als die Zeitung erscheint, kann ich nur berichten, daß im Pflegezentrum Sophienspital am 11. Mai ein Tag der offenen Tür stattfinden wird.

-- Bekenntnis zum Sophienspital, Mai 1987


Da wird immer von bestimmten Leuten nach mehr Selbständigkeit und nach noch mehr Freiheit vom Staat und den Behörden gerufen, aber umgekehrt wollen eben jene hinter alles und jeden eine Aufsichtsperson stellen. Dies kann man feststellen, wenn nach mehr Polizei für Parkanlagen und ähnliches gefordert wird. Es kann doch nicht vereinbar sein, Freiheit und Kontrolle. Es gibt sehr viele Freizeiteinrichtungen innerhalb verschiedener Sportvereine, wo sich viele sinnvoll betätigen können, statt hirnlos und mitwillig nur auf Zerstörung aus zu sein. Denn heute wird eine Parkbank beschädigt, aber morgen wollen die selben eine gute ordentliche Parkbank haben. Leider ist es halt meist so, daß wir mit unseren Artikeln jene mutwilligen Zerstörer nicht erreichen, da sie es vorziehen, Blödsinn anzustellen, als Artikel zu lesen.

-- Freiheit und Kontrolle, Juni 1989

> weiter