Textes en ligne de Kiki Novak
Eine Sex, Soul & Funk-Version von Doktor Faustus, ein freizügiger Bildungsroman gegen den Strich.
Der zerstreute Botschaftschauffeur Benjamin hat schon seit Volksschulzeiten ein verkorkstes Verhältnis zu den Frauen. Wie zur Entschädigung verhilft ihm die eigenwillige Pädagogik von Hravad Rodrzejkowacelski alias Harvey Rhodes, seines Zeichens Ex-Bassist von Frank Zappas Mothers Of Invention, wenigstens zu einem Schattendasein als begnadeter Wohnzimmerbassist.
Sein mühsam erlerntes Handwerk nützt Benjamin zunächst herzlich wenig, als er der überdrehten Mediävistin Leonora begegnet. Natürlich würde er dieser überaus pikanten femme fatale bei der praktischen Untermauerung ihrer Doktorarbeit über Sexualität und Tod im Werk von Chrétien de Troyes nur allzugerne behilflich sein. Wie soll er das aber anstellen, wenn seine Belesenheit sich auf Playboy’s Tausend Dreckige Party-Witze reduziert?
Hier geschieht nun das Unmögliche: indem er sein Musikerhandwerk buchstäblich verlernt und sozusagen gegen den Strich sublimiert, verwandelt er sich allmählich in einen Troubadour der besonderen Art, der mit erstaunlicher Präzision... übers Ziel hinausschießt.
Rhythm & Blue wurde 1997 mit einem Literaturstipendium des Österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur dotiert.
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Die Stimme der Vernunft ist leise
, ächzte schon Sigmund Freud. Wer leichtfertig
annimmt, daß Respekt vor den mächtigen Regungen der tieferen Seelenregionen
seit den Tagen des Entdeckers der Psychoanalyse großgeschrieben wird, geht
irre. Besteht der Mensch ja laut der überwiegenden Mehrzahl heute angesagter
Fachkreise aus nichts weiter als einem Willen und zwei Ellbogen, wobei es sich
bei dem sogenannten Unbewußten aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Erfindung
jüdischer Ärzte handelt, die kein Blut sehen konnten.
Umsomehr muß ein Denker, der nach wie vor einer dynamischen Auffassung des menschlichen Seelenlebens huldigt, uns heutzutage wie ein Kuriosum anmuten, ein in unsere Zeit katapultiertes Überbleibsel der Wiener Moderne. Der interessierte Kulturhistoriker wird dann auch fündig, sofern er es nicht scheut, kuriosere Publikationen auf der Suche nach Unsterblichem zu durchforsten. Zum Beispiel das Bezirksjournal Wien Neubau.
Für die nächsten Artikel werde ich versuchen, mich nicht in die von mir
abgelehnte Schreibweise hineinziehen zu lassen und hier nicht mehr mittun. Man
wird sehen, ob die Vernunft Oberhand behält.
So Walter Wana im März
1978.
Der vorliegende Band versteht sich als Hommage an das Schaffen des Mannes, der zwischen 1976 und 1991 als Bezirksvorsteher-Stellvertreter des siebten Wiener Gemeindebezirks gewirkt hat.
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